Rechtsgutachten zum Heilpraktikerrecht


Das Bundesgesundheitsministerium scheibt ein Rechtsgutachten zum Heilpraktikerrecht aus. Die Ausschreibungsunterlagen sind HIER abrufbar. Ich stehe dem skeptisch gegenüber; aus folgenden Gründen:

Weshalb geht das Ministerium von einem Reformbedarf des Heilpraktikerrechts aus? Der Beruf des Heilpraktikers steht zwar in der medialen Kritik, aber bislang sind in der Praxis keine unmittelbaren Patientengefährdungen festgestellt worden. Allenfalls mittelbare Gefahren dürften in Betracht kommen, z.B. durch ein nicht rechtzeitiges Weiterverweisen an einen Schulmediziner.

In der Ausschreibung heißt es

„Eine wesentlichere Änderung des Heilpraktikergesetzes und der Ersten Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz ist erst im Anschluss an Vorkommnisse erfolgt, in deren Folge es zu mehreren Todesfällen gekommen war.“

Dies klingt recht polemisch. Denn wir reden über einen einzigen Heilpraktiker, der rechtswidrig gehandelt hat und verurteilt wurde. Aus meiner Sicht wäre es deshalb ratsam, zuerst empirisch zu ermitteln, ob tatsächlich ein Reformbedarf besteht. Werden Patienten tatsächlich gefährdet? Hierzu könnte man sich z.B. bei den Haftpflichtversicherungen erkundigen, welche Schmerzensgelder durch Heilpraktiker verursacht wurden. Zudem könnten die Gesundheitsämter über ihre aufsichtsrechtlichen Verfahren berichten.

Anschließend sollte der demokratisch legitimierte Gesetzgeber auf Grundlage belastbarere empirischer Belege über weitere Maßnahmen entscheiden. Diese Maßnahmen könnten dann rechtlich bewertet werden. Bereits die Reformmöglichkeiten durch externe Dienstleister bestimmen zu lassen, halte ich hingegen für problematisch. Diese sind demokratisch nicht legitimiert; zudem können Zweifel an der Unabhängigkeit der Verfasser bestehen. Wie kann z.B. ausgeschlossen werden, dass Mitglieder von heilpraktikerskeptischen Vereinigungen Einfluss auf das Gutachten nehmen? Ein Mitglied des Münsteraner Kreises könnte kaum die Frage, ob Heilpraktiker abgeschafft werden können, objektiv bewerten.

In der Ausschreibung heißt es: „Das Rechtsgutachten soll das Heilpraktikerrecht einschließlich der dazu ergangenen Rechtsprechung umfassend aufarbeiten und insbesondere klären, ob und welchen rechtlichen Gestaltungsspielraum der Bundesgesetzgeber im Falle einer Reform des Heilpraktikerrechts zur Stärkung der Patientensicherheit hätte.“ Eine solche Ausarbeitung ist äußerst aufwändig. Es erschließt sich mir nicht, wie dies innerhalb von 6 Monaten gelingen soll. Zudem dürften hierdurch sehr hohe Beratungskosten verursacht werden.

Weiter heißt es: „Gibt es alternativ zu einer Regelung die grundsätzliche Möglichkeit, den Heilpraktikerberuf in Zukunft entfallen zu lassen? Was wäre in einem solchen Fall zu beachten?“

Die Politik hat wiederholt versichert, dass der Heilpraktikerberuf nicht zur Disposition stünde. Weshalb wird dann diese Frage gestellt? Die Abschaffung eines Berufs ist keine Reform! Bereits das Stellen dieser Frage in einer offiziellen Ausschreibung halte ich für fragwürdig. Zuerst müsste der Gesetzgeber sich dazu entschließen, diesen Schritt zu gehen und dies offen kommunizieren. Anschließend könnte er dies dann rechtlich prüfen lassen. Aber weshalb wird aktuell eine Frage gestellt, deren Antwort „eigentlich“ nicht relevant ist?

Weiter heißt es in der Aufgabenbeschreibung: „Gibt es neben dem Arztberuf als dem Beruf, der zur umfassenden Ausübung von Heilkunde berechtigt ist, die rechtliche Möglichkeit, einen weiteren Heilberuf mit weitgehend umfassender Heilkundekompetenz durch Bundesrecht zu regeln?“

Die Antwort hierzu ist recht kurz: Ja, er existiert bereits und nennt sich Heilpraktiker. Ein weiterer heilkundlicher Beruf (auch als Alternative zum Heilpraktiker) würde auf starke Ablehnung durch die Ärzteschaft treffen und wäre kaum realisierbar. Es entsprach bislang dem allgemeinen Konsens, dass der Heilpraktiker gerade kein Mini-Arzt sein soll. Eine Akademisierung von TCM und Homöopathie ist kaum vorstellbar, eine Akademisierung von Bioresonanz und Scharmanismus ist ausgeschlossen. Wie soll hier eine Ausbildung staatlich reglementiert werden?

Zudem wird gefragt: „Was wäre für den Fall zu beachten, dass das Heilpraktikergesetz ersatzlos entfällt?“ In diesem Fall würde die allgemeine Kurierfreiheit gelten. Das heißt, jedermann könnte die Heilkunde ausüben. Er wäre deshalb ein weiteres Gesetz erforderlich, um dies wieder zu korrigieren.

Die Zuschlagskriterien für das Gutachten lauten: Preis: 30%, Qualität: 40%, Umsetzbarkeit: 30%. Die Qualität wird mit lediglich 40% in die Bewertung mit einbezogen. Aus meiner Sicht zu wenig.

Ich habe zum Heilpraktikerrecht promoviert und mich über Jahre mit dieser Rechtsmaterie – auch rechtswissenschaftlich – befasst. Deshalb erlaube ich mir folgenden Hinweis:
Eine sinnvolle Weiterentwicklung des Heilpraktikerrechts kann nach meiner Auffassung vorrangig auf Länderebene gelingen. Sämtliche Vorschläge hierzu sind bekannt; sie wurden von mir in der juristischen Fachliteratur und meiner Dissertation veröffentlicht. Insbesondere der Erlass einer Berufsordnung und die Reglementierung der Weiterbildung bergen Möglichkeiten einer sinnvollen Weiterentwicklung des Heilpraktikerrechts. Selbst eine Verkammerung kann zumindest diskutiert werden. Solche sinnvollen Regelungsmöglichkeiten werden in dem Gutachten leider nicht thematisiert, weil es sich um eine Bewertung auf Basis des Bundesrechts handelt. Eine echte Reform des Heilpraktikerrechts kann indes nur gelingen, wenn man diese Möglichkeiten mit einbezieht.

Leider wird das Heilpraktikerrecht oftmals von ideologischen Motiven beeinflusst. Ein wenig mehr Pragmatismus und gesunder Menschenverstand dürfte dem Patientenschutz ebenfalls dienlich sein. In einer Zeit fortschreitender Standardisierung und Normierung mag es schwerfallen, den heterogenen Beruf „Heilpraktiker“ mit seiner Vielfalt zu akzeptieren. Dies war bereits in den 1940er Jahren das Motiv für die seinerzeit versuchte Abschaffung des Berufs. Man sollte sich stets in Erinnerung rufen, dass der Heilpraktikerberuf auf der obersten Rechtsprechung auf Grundlage des Grundgesetzes basiert.

Kann ein Beruf, der sich über viele Jahrzehnte erfolgreich etabliert hat, tatsächlich ein Kernproblem des deutschen Gesundheitswesens darstellen? Kann man dem mündigen Patienten nicht zumuten, eine eigenverantwortliche Entscheidung zwischen standardisierter Schulmedizin und alternativer Heilkunde zu treffen?

Auch wenn es dem aktuellen Trend widerspricht, sollte eine weitergehende Verrechtlichung dieses Bereichs behutsam erfolgen. Aktionismus aufgrund medialen Drucks dürfte indes nicht weiterhelfen.

15 Kommentare zu “Rechtsgutachten zum Heilpraktikerrecht

  1. Heike

    Meine Meinung ist; wer zum Heilpraktiker gehen will, hat gute Gründe. Bei mir ist es meistens die fehlende Zuwendung durch den Arzt und die deutlich geringeren Nebenwirkung der Naturmedizin. Außerdem bin ich überzeugt, desso mehr die Heilpraktiker durch Medien, Politik oder Amtspersonen an den Pranger gestellt werden, desso interessanter wird es, zu einem Heilpraktiker zu gehen.

  2. Marcus Freund

    Sehr guter Text. Mein Eindruck, dass hierzulande eine regelrechte Hexenjagd auf Heilpraktiker im Gange ist, ist jetzt noch stärker geworden. Ich bin sehr froh, dass es starke HP-Verbände plus fähige Juristen wie Dr. Sasse gibt, die sich diesen haltlosen Anfeindungen entschlossen entgegen stellen. Dafür zahle ich – VFP-Mitglied – meinen Jahresbeitrag sehr gerne, weil es quasi ein Trost ist für die Wut, die ich jedes Mal empfinde, wenn ich z. B. mitbekomme, wie mein Berufsstand im Fernsehen (Panorama) oder auch in Hetz-Presseartikeln (z. B. das Gesundheitsressort des Spiegel) in den Schmutz gezogen wird.

  3. Zeitgeist

    Ich bin sehr beeindruckt von dieser Darstelllung der aktuellen Situation zum Heilpraktikerrecht.
    Dem Vorschlag auf Länderebene etwas zu bewirken stehe ich allerdings skeptisch gegenüber. Nicht jedes Bundesland stellt sich Fragen zum Thema Heilpraktiker.
    Was ich hier in NDS erlebt habe ist Ablehnung und es scheint auch lässtig zu sein. Es sind nicht unbedingt die Gesundheitsämter , es sind die Ministerien die sich dagegen stellen bzw, ignorieren. Der HP hat keine Lobby und an umfänglichen Wählerstimmen hapert es auch, da drückt man schon ein Auge zu und begünstigt eine andere Berufsgruppe ( Heilmttelerbringer ) die Heilkunde auszuüben. Es scheint egal zu sein ob man gegen Patientensicherheit verstößt. Gerade dann wenn Wahlen anstehen.
    Die Gesundheitsministerkonferenz muss das Thema aufrufen und mit Fachkompetenzen diskutieren. So, das alle Länder daran gebunden und verpflichtet sind. Eine Kammer wäre ein gute Möglichkeit den HP zu fördern und transparent zu machen.

  4. Szieg

    Ich denke, zumindest bestimmte Lobbygruppen innerhalb der Ärzteschaft und Pharmaindustrie werden keine Ruhe geben, bis der Heilpraktiker komplett abgeschafft ist. Deren Vorgehensweise ist Steter Tropfen höhlt den Stein.

  5. www.praxis-poetter.de

    Vielen Dank – ein rechtssystematisch schlüssiger und die relevanten Fragen auf den Punkt bringender Kommentar. Gefordert sind allerdings auch die Heilpraktiker selber, nämlich ihre Arbeitsweise, Ausbildung und Aussendarstellung so anzupassen, dass es möglichst wenig Ansatzpunkte für Kritik gibt, die in manchen (zum Glück seltenen) Fällen ja zumindest auch nachvollziehbar ist. Allen Herausforderungen zum Trotz, die durch diese neuen Angriffe unter der Gürtellinie auf die Heilpraktikerberufe entstanden sind. ermöglicht dies auch zu wachsen und sich fortzuentwickeln – im Sinne eines Qualitätsfortschritts und zum Wohle unserer Patienten.

  6. Annalou

    Hochinteressanter Bericht!!!!
    Ich denke oft, dass die Patienten, die einen Heilpraktiker aufsuchen, angehört werden sollten und mobilisiert werden müssen, ihre Stimme gegen diese Politik zu erheben! Denn sollte es tatsächlich gelingen unseren Berufsstand abzuschaffen, sind sie es, die medizinisch gesehen “ auf der Strasse stehen“ und gezwungen sind , sich wieder der klassischen Medizin hinzugeben. Weiterhin frage ich mich immer mehr, warum die Ärzteschaft so vehement gegen uns Stimmung macht: sie schließen vor Quartalsende ihre Praxen, weil ihr Budget verbraucht ist, nehmen keine neuen Patienten mehr an weil sie zu voll sind, haben keine Zeit für ihre Patienten weil es zu viele sind! Sollten sie nicht froh sein, dass unser Berufsstand einiges an Patienten abfängt und sie damit entlastet? Ich verstehe es nicht…, ein Miteinander und Hand-in-Hand arbeiten wäre so positiv ,für beide Seiten!!!!!

  7. Günter

    Den Text kann ich nur unterschreiben. Die Diffamierung des Heilpraktikerberufes wird in der Hauptsache von Ärzteverbänden vorgenommen. Nur weil einige wenige Berufsmitglieder ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen sind, muss nicht gleich der gesamte Berufsstand abgeschafft werden. Würde man das Argument auch auf die Ärtzeschaft übertragen? Es käme wohl niemand auf die Idee den Arztberuf komplett in Frage zu stellen, nur weil einige Ärzte erhebliche gesundheitliche Schäden und auch Todesfälle zu verantworten haben. Die Heilpraktikerschaft ist gut beraten, ihren Beruf von innen heraus entsprechend zu reformieren, um eine noch bessere Qualität zu erreichen. Wir brauchen keine „Reformierung“ von aussen. Wir können das auch alleine. Die Anfänge in der Zusammenarbeit der einzelnen Verbände sind bereits gemacht. Allerdings stehe ich der zunehmenden Vergabe von sektoralen Heilpraktikerzulassungen sehr skeptisch gegenüber, entweder bin ich Heilpraktiker und absolviere die entsprechende Prüfung mit allen Konsequenzen oder nicht. Ein bisschen schwanger geht auch nicht. Es gibt also von seiten der Heilpraktiker noch einiges zu tun.

    1. paradise 193

      „Wir können das auch alleine.! schön wär´s.
      Sektorale Heilpraktiker sind keine Lösung. Gerade die Fähigkeit, Organe im Zusammenhang zu betrachten, macht einen Heilpraktiker aus.

  8. Tobias82

    Als Heilpraktiker für Psychotherapie beobachte ich die Lage in den letzten Wochen.

    Ich hoffe, dass in diesem Gutachten auch der Fakt zur Geltung kommt, dass gerade in ländlichen Gegenden Patienten bis zu 7 Monate auf einen Therapieplatz warten.
    Ich erlebe es täglich in meiner Praxis, dass ich mit den Techniken aus der Verhaltens- und Traumatherapie, meinen Klienten wirkungsvoll helfen kann, um diese Wartezeiten zu überbrücken und meine Klienten zu stabilisieren.
    Das kann unser Gesundheitssystem i.d. Regel nicht als Krisenintervention leisten.
    Daher sehe ich den Beruf des Heilpraktikers als Ergänzung und führe ihn mit Verantwortung und Disziplin aus.
    Alleine durch die psychoedukative Arbeit, kann viel Aufklärung geschaffen werden und der Klient kann dein weiteren Therapieverlauf mit Ärzten und Psychiatern besprechen.

    Wird das Berufsfeld abgeschafft, sind viele Praxen geschlossen und die Kolleginnen und Kollegen von der Arbeitslosigkeit betroffen.

  9. Petra D.

    Vielen Dank für den professionellen Beitrag! Ich verstehe nicht, warum immer noch so viele Ärzte etwas gegen uns Heilpraktiker haben. Ich persönlich habe ein sehr gutes Verhältnis mit vielen Schulmedizinern. Wir wertschätzen und respektieren uns gegeneinander. Jeder hat sein Spezialgebiet und andere Aufgabenbereiche. Sind wir doch mal ehrlich: wir Heilpraktiker haben doch sowieso meist die Patienten, die die Schulmedizin gerne loswerden möchte. Abgesehen davon ist der Heilpraktikerberuf zwar noch recht jung, aber die Naturheilkunde ist wesentlich älter als die Schulmedizin. Die traditionelle chinesische Medizin ist mehrere tausend Jahre alt. Ganz zu schweigen vom Schamanismus.
    Wann hört die Hetze gegen uns endlich auf? Der Scheiterhaufen existiert wohl immer noch, nur eben in anderer Form. Ich fürchte, hier geht es wohl eher um Standesdünkel und Macht anstatt um das Wohl leidender Menschen. Echt traurig…
    Sollte uns die Heilerlaubnis entzogen werden, muss ich eben illegal arbeiten. Notfalls unentgeldlich. Ich lasse meine Patienten nicht im Stich!

  10. Elisa

    Ich glaube nicht, dass sich mit einem Wegfall des Heilpraktikerberufes mehr Menschen den Ärzten zuwenden werden. Gesundheitsberater darf sich, wie z.B. auch Finanzberater jeder nennen, daher glaube ich würde es einfach mehr Menschen geben, die ohne medizinische Kenntnisse wie der Heilpraktiker hat, Fußreflexmassage etc. anbieten ohne erkennen zu können ob sich eine ernsthafte Krankheit dahinter versteckt. Das ganze ohne Schadensfallversicherung, die eigentlich ein zusätzlicher Schutz für den Patienten ist und ohne Überwachung des Gesundheitsamtes, der ein überprüfter Heilpraktiker unterliegt. Man würde, das was man „verhindern“ will, eigentlich nur noch verstärken.

  11. Klondike

    Wenn man sich einmal anschaut, was alles so geschieht, dann muss der Heilpraktiker früher oder später dran glauben!
    Man kann m.E. deutlich feststellen, dass wir als (Welt-)Gesellschaft dabei sind, jegliche Vielfalt zu beseitigen und eine Uniformität herzustellen. Das fängt bei den (Tier)Arten an und zieht sich durch alle Bereiche. Ein Topos unseres Seins scheint die Welt so gestalten zu müssen, dass Vielfalt nicht mehr möglich ist. Wir achten nicht auf den Eisbären und erst recht nicht auf die Insekten. Wir achten nicht einmal auf unseres Gleichen, das Leben indigener Völker ist uns gleichgültig, aber auch diejenigen, die sich nicht an den allgemeinen Trend anpassen können oder wollen und dadurch sozial benachteiligt sind. Auch unsere Kinder sind uns letztlich gleichgültig und auch die x-te wissenschaftliche Bestätigung, dass sie um 8 Uhr morgens nichts in der Schule verloren haben, wird uns nicht zu einer Veränderung bewegen, sind ja nur Kinder, sind ja nur Indigene, sind ja nur Tiere, bin ja nicht ich.
    Neulich habe ich bei einem Vortrag gehört, dass von 70 Professuren in Psychologie in Deutschland über 60 von Verhaltenstherapeuten besetzt sind. Man kann sich ja mal Grdanken darüber machen, warum es gerade die als besonders effektiv geltende Verhaltenstherapie ist, die so viel Raum bekommt. Und dann kann man mal überlegen, wie unser gesamtes schulisches und universitäres Ausbildungssystem in den letzten Jahrzehnten reformiert wurde und sich fragen, ob die aus diesem System hervorgegangenen Menschen in der Lage sein werden, Vielfalt zu bewahren, ob die in einem juristischen Gutachten zu dem Ergebnis kommen werden, dass man den Heilpraktikerberuf nicht antasten darf.

    Ich denke, man sollte auf keine Diskussion einsteigen, ob der Heilpraktikerberuf gefährlich ist oder schädlich oder was auch immer – wir haben seit mehr als 80 Jahren keine nennenswerten Probleme damit und wir könnten mit dieser Fragestellung eher den Automobilen Straßenverkehr beleuchten – sondern man sollte schlicht sagen: „Wir verlangen Vielfalt!“ Wir sollten auch nicht unbdingt das Heilpraktikerwesen reformieren! Warum denn?!!! Es funktioniert doch!!!! Diese Forderung kommt doch von denen, die sich durch jahrelange akademische Ausbildungen gequält haben und die es nicht leiden können, dass es vielleicht auch anders gehen könnte. Nein, wir wollen Vielfalt! Wir wollen nicht nur den akademisch verbildeten Behandler, wir wollen den auch den achtsamen intuitiven Menschen, der uns unterstützt, und ich will, verdankt noch mal, auch eine schamanische Heilbehandlung in Anspruch nehmen, wenn mir danach ist!

    Im Zoo zu Köln stand von 1964 bis Ende der 90er eine echte Dampflokomotive auf dem Kinderspielplatz. Soweit ich weiß, ist da nie jemand groß zu Schaden gekommen. Trotzdem musste sie weichen, weil sie den Vorschriften für Spielgeräte auf öffentlichen Spielplätzen nicht entsprach. Jetzt steht da eine „Lok“ aus bunten Siebdruckplatten. Wie originell!

  12. Machen!

    Seit 23 Jahre arbeite ich als Heilpraktiker auf dem Gebiet der Körpertherapie mit Akupressur, Chiropraktik und Osteopathie. Meine Berufshaftpflichtversicherung bei der Continentale kostet mich 243,68 € im Jahr. Dieser Betrag ist über alle Jahre gleich geblieben mit den üblichen Steigerungsraten durch die Inflation, Verwaltung etc. Diese Versicherungsgruppe richtet demzufolge keinen erheblichen Schaden an, sondern arbeitet sorgfältig und verantwortungsbewusst. Fast alle meine PatientInnen sind sind bei Ärzten und Orthopäden in Behandlung, was mir sehr recht. Die „harten“ Diagnosen sind dadurch meistens bekannt und werden auch häufig gleich dort aufgefangen. Auf der anderen Seite bin ich bei den funktionellen Beschwerden der vertrauenswürdige Ansprechpartner für meine PatientInnen. Ich arbeite also nicht „alternativ“ sondern komplementär (ergänzend), tatsächlich bin ich natürlich für viele Menschen alltäglich eine echte Alternative. Die Heilpraktikerprüfung hat durchaus Niveau, anders als oft dargestellt, auch damals schon. Ein befreundeter Zahnarzt ist nach nur oberflächlicher Vorbereitung (seine Aussage) zweimal durch die Prüfung gefallen. Zusätzlich habe ich Fachprüfungen für die Therapieformen absolviert, die ich in der Praxis ausübe. Ergänzt wird dies fortlaufend durch Weiterbildung in meinen Verband und freie Anbieter. Ich sehe also keine übermäßige Gefahr, die durch mich und die mir bekannten KollegInnen für die Bevölkerung ausgeht. Dieses Konzept hat sich über viele Jahre bewährt. Lasst uns also diesen Weg des Miteinanders weiter gehen, der Patient sollte die freie Wahl haben für seine Gesundheitsentscheidungen und das optimale Angebot bekommen. Nicht „entweder-oder“, sondern „sowohl-als auch“! Ich höre meinen PatientInnen sehr genau zu und finde die Zustimmung für dieses Konzept jeden Tag, zum Segen für die Gesundheit. Der Heilpraktiker ist ein Praktiker, kein zweiter Schulmediziner, der Patient möchte seine Chance auf eine „Außenseitermethode“ (von außen betrachtet). Mit Recht erwartet die PatientIn einen anderen Therapieansatz als beim Schulmediziner, wenn er/sie zum Heilpraktiker geht. Dieser freie Blickwinkel wird gewährleistet mit der derzeitigen Rechtsgrundlage, die nicht angetastet werden darf. Statt ideologischer Verkrampfung und monetären Ängsten empfehle ich ein „von-einander-lernen“ zum Wohle des freien und mündigen Patienten. Dieses Rechtsgutachten ist im Ansatz falsch, aber wenn es dazu führt, dass am Ende eine längst gelebte Realität bestätigt wird, soll es mir recht sein. Der Heilpraktiker hat seinen wichtigen Platz in der Mitte der Gesellschaft . Dieser Beruf hat ein enormes Wachstumspotential für die Zukunft, das Rechtsgutachten ist dafür ein Symptom.

  13. Machen!

    Seit 23 Jahre arbeite ich als Heilpraktiker auf dem Gebiet der Körpertherapie mit Akupressur, Chiropraktik und Osteopathie. Meine Berufshaftpflichtversicherung bei der Continentale kostet mich 243,68 € im Jahr. Dieser Betrag ist über alle Jahre gleich geblieben mit den üblichen Steigerungsraten durch die Inflation, Verwaltung etc. Diese Versicherungsgruppe richtet demzufolge keinen erheblichen Schaden an, sondern arbeitet sorgfältig und verantwortungsbewusst. Fast alle meine PatientInnen sind sind bei Ärzten und Orthopäden in Behandlung, was mir sehr recht ist. Die „harten“ Diagnosen sind dadurch meistens bekannt und werden auch häufig gleich dort aufgefangen. Auf der anderen Seite bin ich bei den funktionellen Beschwerden der vertrauenswürdige Ansprechpartner für meine PatientInnen. Ich arbeite also nicht „alternativ“ sondern komplementär (ergänzend), tatsächlich bin ich natürlich für viele Menschen alltäglich eine echte Alternative. Die Heilpraktikerprüfung hat durchaus Niveau, anders als es oft dargestellt wird, auch schon vor 20 Jahren. Ein befreundeter Zahnarzt ist nach nur oberflächlicher Vorbereitung (seine Aussage) zweimal durch die Prüfung gefallen. Zusätzlich habe ich Fachprüfungen für die Therapieformen absolviert, die ich in der Praxis ausübe. Ergänzt wird dies fortlaufend durch Weiterbildung in meinem Verband und durch freie Anbieter. Ich sehe also keine übermäßige Gefahr, die durch mich und die mir bekannten KollegInnen für die Bevölkerung ausgeht. Dieses Konzept hat sich über viele Jahre bewährt. Lasst uns also diesen Weg des Miteinanders weiter gehen, der Patient sollte die freie Wahl haben für seine Gesundheitsentscheidungen und das optimale Angebot bekommen. Nicht „entweder-oder“, sondern „sowohl-als auch“! Ich höre meinen PatientInnen sehr genau zu und finde die Zustimmung für dieses Konzept jeden Tag, zum Segen für die Gesundheit. Der Heilpraktiker ist ein Praktiker, kein zweiter Schulmediziner, der Patient möchte seine Chance auf eine „Außenseitermethode“ (von außen betrachtet). Mit Recht erwartet die PatientIn einen anderen Therapieansatz als beim Schulmediziner, wenn er/sie zum Heilpraktiker geht. Dieser freie Blickwinkel wird gewährleistet mit der derzeitigen Rechtsgrundlage, die nicht angetastet werden darf. Statt ideologischer Verkrampfung und monetären Ängsten empfehle ich ein „von-einander-lernen“ zum Wohle des freien und mündigen Patienten. Dieses Rechtsgutachten ist im Ansatz falsch, aber wenn es dazu führt, dass am Ende eine längst gelebte Realität bestätigt wird, soll es mir recht sein. Der Heilpraktiker hat seinen wichtigen Platz in der Mitte der Gesellschaft . Dieser Beruf hat ein enormes Wachstumspotential für die Zukunft, das Rechtsgutachten ist dafür ein Symptom.

  14. Gertraud Schmid

    War schon beim Arzt!
    Meine Praxis für Naturheilweisen und Diagnostik ist nun im neunten Jahr. Ich bin spätberufene Heilpraktikerin, war vorher 25 Jahre lang als Angestellte in medizinischen Berufen in Vollzeit tätig, davon 7 Jahre im Pharma-Außendienst, ich habe hochgerechnet 14000 Gespräche mit Ärzten geführt. ich habe mich trotz des verlockenden Einkommens abgewendet, enttäuscht von mangelnder Wissenschaftlichkeit.

    Mich überraschte als Praxis-Inhaberin, dass die meisten Patienten vorher beim Arzt waren. Eigentlich sind mir das die Liebsten, wenn sie nicht allzuviele Medikamente nehmen müssen. BITTE NEHMEN SIE DAS ZUR KENNTNIS, PATIENTEN, DIE MICH AUFSUCHTEN, WAREN VORHER BEREITS BEIM HAUSARZT UND BEI DIVERSEN FACHÄRZTEN. Sie bringen Stapel von Vorbefunden mit, der Aufwand lässt sich im Honorar oft nicht abbilden. Und ja, ich konnte vielen dieser Menschen weiterhelfen.
    Die allerwenigsten Patienten sind Arzt-abgeneigt. Mit denen habe ich die größte Mühe, weil ich die Verantwortung habe, sie rechtzeitig dem Facharzt zuzuführen und wenn sie partout nicht wollen, dann dokumentiere ich jeden einzelnen meiner Versuche, sie davon zu überzeugen.

    Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was die Abschaffung des Heilpraktikerberufs bringen soll. Ich kann mir denken, dass es Begierden gibt, die Erstattung durch Privatkassen abzuschaffen, obwohl die prozentual sehr gering ist.

    Ärzte haben ein Problem mit ihrer Ausbildung. Dadurch, dass Homöopathie an den Universitäten verteufelt wird, fehlt Ärzten der Zugang zu beziehungsweise die Kenntnisse für die Anwendung wertvoller Natur-Medikamente. Ohne die homöopathischen Mittel werden wir zurückgebeamt in eine Versorgungslage, die nur überdosierten Chemikalien bietet- kann man das der Bevölkerung zumuten?

    Akutell überrascht mich, dass die Bevölkerung nicht wahrnimmt, dass es die Bestrebungen gibt, den Heilpraktikerberuf abzuschaffen.
    Wie kann das eigentlich sein? Wo bleibt da die Funktion des kritischen Journalismus?

Kommentare

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